Juni-Session des Grossen Rates - Bericht von EVP-Grossrat Martin Aeschlimann

Der Burg­dor­fer Gross­rat und Archi­tekt Mar­tin Aeschli­mann nahm im Juni seine dritte Legis­la­tur im Gros­sen Rat in Angriff. im fol­gen­den Bericht erzählt er über seine Erfah­run­gen an der Juni-Session des Gros­sen Rates und den Start in die neue Legis­la­tur.

Die Junis­es­sion star­tete mit der Kon­sti­tu­ie­rung der Regie­rung und des Gros­sen Rates. Für die neue Legis­la­tur wur­den zudem die Mit­glie­der aller acht Kom­mis­sio­nen und deren Prä­si­dien gewählt. Der Grosse Rat beschäf­tigte sich mit acht Geset­zes­vor­la­gen, fünf Kre­dit­ge­schäf­ten und zwölf Berich­ten. Die Ände­rung des Land­wirt­schafts­ge­set­zes soll die Rechts­grund­lage für Schutz­zo­nen in der Bie­nen­zucht schaf­fen, um uner­wünschte Paa­run­gen mit ande­ren Bie­nen­ras­sen zu ver­hin­dern.

Mehr zu Reden gab die Geset­zes­än­de­rung des bäu­er­li­chen Boden- und Pacht­rech­tes. Der Grosse Rat ent­schied sich für eine Sen­kung der Gewer­be­grenze auf 0.6 SAK (Stan­dard­ar­beits­kräfte) im Berg­ge­biet und 0.85 SAK im Tal­ge­biet. Die Betriebe pro­fi­tie­ren dadurch von Pri­vi­le­gien wie tie­fe­ren Pacht­zin­sen oder von Erleich­te­run­gen für das Bauen aus­ser­halb der Bau­zone. Die EVP-Fraktion unter­stützte diese Ände­rung mit der Argu­men­ta­tion, eine Sen­kung der SAK biete gerade klei­ne­ren Höfe die Chance, deren Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten und Rah­men­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern. Die EVP-Fraktion ist der Über­zeu­gung, dass die Zukunft der Land­wirt­schaft, gerade aus der Per­spek­tive der Nach­hal­tig­keit, nicht alleine den Gross­be­trie­ben gehö­ren soll.


Nach einer kon­tro­ver­sen Debatte beschloss der Rat eine Ände­rung des Geset­zes über Han­del und Gewerbe, die eine Aus­deh­nung der Laden­öff­nungs­zei­ten in der unte­ren Ber­ner Alt­stadt ermög­licht. Die EVP-Fraktion wehrte sich gegen diese Libe­ra­li­sie­rung. Sie argu­men­tierte, mit der Ände­rung ent­stünde eine Dif­fe­renz zu den bun­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten zum Arbeits­recht und der Druck auf die Sonn­tags­ruhe, eine Errun­gen­schaft von gesell­schaft­li­chem Wert, würde wei­ter stei­gen.

Am meis­ten Geschäfte der Ses­sion, ins­ge­samt 48 Trak­tan­den, bil­de­ten die eige­nen Vor­stösse, die Motio­nen und Pos­tu­late der Rats­mit­glie­der. Davon waren 43 Vor­stösse als freie Debatte trak­tan­diert, die den Frak­tio­nen fünf Minu­ten, den Rats­mit­glie­dern drei Minu­ten Rede­zeit zuge­steht. In der kür­ze­ren Form der redu­zier­ten Debatte kön­nen sich nur Urhe­ber­schaft und Frak­tio­nen für zwei Minu­ten äus­sern. Ein Vor­stoss in der freien Debatte kommt mit einem Motio­när, den acht Frak­tio­nen und durch­schnitt­lich drei wei­te­ren Spre­chern auf theo­re­tisch 54 Minu­ten, in der redu­zier­ten Debatte hin­ge­gen auf 18 Minu­ten Rede­zeit. Auf die 48 trak­tan­dier­ten Vor­stösse hoch­ge­rech­net, ergibt dies ein Zeit­bud­get von 2‘412 Minu­ten, mehr als 40 Stun­den Debatte. Die "Ber­ner Zei­tung" hat im Zusam­men­hang mit der Spar­de­batte eine inter­es­sante Berech­nung ange­stellt: Noch ohne den Ser­vice der Par­la­ments­dienste, die Simul­tan­über­set­ze­rin­nen sowie die Vor- und Nach­be­rei­tung der Ses­sion kos­tet eine Minute Rede­zeit im Durch­schnitt 179 Fran­ken. Die Vor­stösse der letz­ten Ses­sion hät­ten theo­re­ti­sche Kos­ten von CHF 431‘700.- Fran­ken ver­ur­sacht. Der Rat gene­riert auf diese Weise seine eigene Arbeit und einen erheb­li­chen steu­er­fi­nan­zier­ten Auf­wand. Denn viele Vor­stösse erzie­len keine Wir­kung oder haben kei­nen Ein­fluss auf die Poli­tik des Kan­tons. Ein Bei­spiel: Die Motion Nr. 234, die vom Staat eine exis­tenz­si­chernde Arbeit für alle Ein­woh­ner for­derte, pro­vo­zierte zwar gesell­schafts­po­li­tisch span­nende Dis­kus­sio­nen. Sie hatte jedoch ange­sichts der Mehr­heits­ver­hält­nisse im Rat keine Chance auf Erfolg. Die Geschäfts­ord­nung des Gros­sen Rates setzt hier der Krea­ti­vi­tät und dem Schaf­fens­drang der Rats­mit­glie­der keine Gren­zen. Die Vor­stösse sind halt auch Schmier­mit­tel für die nächste Wahl­kam­pa­gne.


Mar­tin Aeschli­mann, EVP-Grossrat, Burg­dorf