Dreimal Nein zur 2. Gotthard-Röhre, FMedG und Durchsetzungsinitiative

An ihrer heu­ti­gen aus­ser­or­dent­li­chen Dele­gier­ten­ver­samm­lung in Ober­burg bei Burg­dorf hat die EVP Schweiz ent­spre­chend ihren Wahl­the­men «Nach­hal­tig leben, gerecht han­deln, Men­schen wür­di­gen» drei­mal die Nein-Parole beschlos­sen: Sie sagte Nein zum Bau einer zwei­ten Gotthard-Röhre, zur Durch­set­zungs­in­itia­tive und zur Ände­rung des Fort­pflan­zungs­me­di­zin­ge­set­zes.

Par­tei­prä­si­den­tin und Natio­nal­rä­tin Mari­anne Streiff for­derte in ihrer Prä­si­di­al­an­spra­che ange­sichts des aku­ten Flücht­lings­elends eine mas­sive Ver­stär­kung der Hilfe vor Ort, die jedoch mit ent­spre­chen­der finan­zi­el­ler Aus­stat­tung ein­her­ge­hen müsse: «Die EVP ver­tritt seit lan­gem das Anlie­gen, das Mil­le­ni­ums­ziel von 0,7 Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­duk­tes an die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit zu bezah­len.» Flan­kie­rend setze sich die EVP ein für eine faire Ver­tei­lung der Asyl­su­chen­den in Europa, schnelle und faire Asyl­ver­fah­ren sowie die Inte­gra­tion der Flücht­linge in Gesell­schaft und Arbeits­welt.

 

 

Nein zur Ver­dop­pe­lung des Ver­kehrs­auf­kom­mens im Alpen­raum

Nach dem Pro-Plädoyer von Chris­toph Erb, TCS Schweiz, erläu­terte EVP-Nationalrätin Maja Ingold, Win­ter­thur ZH, wes­halb die EVP sich gegen die Ände­rung des Bun­des­ge­set­zes über den Stras­sen­tran­sit­ver­kehr zum Bau einer zwei­ten Röhre im Gotthard-Strassentunnel aus­spricht: Sie warnte vor einem ver­dop­pel­ten Ver­kehrs­auf­kom­men auf der Nord-Süd-Achse. «Denn wenn zwei Röh­ren erst ein­mal gebaut sind, wer­den sie auch dop­pel­spu­rig befah­ren», so Ingold. Immen­ser Druck aus dem Aus­land sowie inlän­di­sche Volks­in­itia­ti­ven wür­den im Hand­um­dre­hen dafür sor­gen – ent­ge­gen dem in der Ver­fas­sung klar ver­an­ker­ten Alpen­schutz. Das Ziel der Schwei­zer Ver­kehrs­po­li­tik, mit dem Gotthard-Basistunnel 2016 den Schwer­ver­kehr end­lich auf die Schiene zu ver­la­gern, würde mas­siv tor­pe­diert: Der eigens dafür geplante Neat-Verlad bliebe leer und würde in sei­ner Ren­ta­bi­li­tät und Amor­ti­sa­tion gefähr­det. Die mit mehr als einer Mil­li­arde Fran­ken mas­siv höhe­ren Kos­ten einer zwei­ten Gotthard-Röhre ver­letz­ten zudem klar das Grund­prin­zip der Effi­zi­enz im natio­na­len Stras­sen­bau. Zudem gefährde die Finan­zie­rung der 2. Gott­hardröhre andere geplante Lücken­schlies­sun­gen im Natio­nal­stras­sen­netz. Die EVP-Delegierten stimm­ten schliess­lich mit 108 Nein zu 25 Ja Stim­men bei 2 Ent­hal­tun­gen gegen die Ände­rung des Bun­des­ge­set­zes über den Stras­sen­tran­sit­ver­kehr.

 

 

Durch­set­zungs­in­itia­tive rüt­telt an den Grund­fes­ten des Staa­tes

Alt-Nationalrat Tho­mas Fuchs, SVP, Bern, BE erläu­terte die Argu­mente der Initi­an­ten der Eid­ge­nös­si­schen Volks­in­itia­tive «Zur Durch­set­zung der Aus­schaf­fung kri­mi­nel­ler Aus­län­der (Durch­set­zungs­in­itia­tive)». EVP-Parteipräsidentin und Natio­nal­rä­tin Mari­anne Streiff, Urtenen-Schönbühl, BE, plä­dierte anschlies­send dafür, der Initia­tive «eine deut­li­che Abfuhr» zu ertei­len. Sie sei über­flüs­sig, da ihre For­de­run­gen inzwi­schen bereits umge­setzt seien. Der darin gefor­derte Aus­schaf­fungs­au­to­ma­tis­mus ver­stosse gegen den Ver­fas­sungs­grund­satz der Ver­hält­nis­mäs­sig­keit. Die Initia­tive käme zudem einem Ver­trau­ens­bruch gegen­über den Rich­tern gleich, die nicht ein­mal mehr in Här­te­fäl­len ent­schei­den dürf­ten. Zudem kri­ti­sierte Streiff scharf den Ver­trau­ens­bruch der Initi­an­ten gegen­über dem Par­la­ment und stellte deren Vor­ge­hen grund­sätz­lich in Frage. Diese hin­ter­gin­gen das Par­la­ment, indem sie ein fer­tig aus­ge­ar­bei­te­tes Gesetz in die Ver­fas­sung schrei­ben las­sen woll­ten. «Wo sind wir in unse­rer Demo­kra­tie gelan­det, wenn wir es bewusst dar­auf anle­gen, an den Grund­fes­ten der Gewal­ten­tei­lung zu rüt­teln?», stellte Streiff in den Raum. Mit 134 Nein-Stimmen zu 0 Ja-Stimmen bei 2 Ent­hal­tun­gen spra­chen sich die Dele­gier­ten schliess­lich gegen die Durch­set­zungs­in­itia­tive aus.  

 

 

Nein zu Selek­tion und Ver­nich­tung mensch­li­cher Embryo­nen EVP-Parteipräsidentin

Mari­anne Streiff stellte anschlies­send auch die Ände­rung des Bun­des­ge­set­zes über die medi­zi­nisch unter­stützte Fort­pflan­zung (Fort­pflan­zungs­me­di­zin­ge­setz, FMedG) zur Dis­kus­sion. Die EVP hat gegen diese Geset­zes­re­vi­sion, wel­che die Umset­zung der Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik (PID) viel zu weit­ge­hend regelt, soeben das Refe­ren­dum ergrif­fen. «Mit dem Refe­ren­dum wol­len wir Gren­zen im Gesetz ver­an­kern, die ver­hin­dern, dass die PID, ins­be­son­dere das Chromosomen-Screening, will­kür­lich und flä­chen­de­ckend zur Anwen­dung kommt», erläu­terte Streiff. Ein Nein zu die­sem FMedG sei ein Nein zur Selek­tion und Eli­mi­nie­rung ver­meint­lich lebens­un­wer­ten Lebens. Es sei auch ein Nein zur Her­stel­lung und Ver­nich­tung zahl­lo­ser soge­nann­ter über­zäh­li­ger mensch­li­cher Embryo­nen, die nach 10 Jah­ren ver­nich­tet oder für For­schungs­zwe­cke genutzt wer­den müss­ten. Es sei zudem ein Zei­chen gegen die schlei­chende Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen mit einer Behin­de­rung sowie ein kla­res Signal an den Gesetz­ge­ber gegen die Sala­mi­tak­tik hin zu einer schran­ken­lo­sen Fort­pflan­zungs­me­di­zin. Mit 128  Nein-Stimmen und 0 Ja-Stimmen bei 8 Ent­hal­tun­gen folg­ten die EVP-Delegierten ihrer Prä­si­den­tin und fass­ten die Nein-Parole.

 

 

Glaub­wür­dige Alter­na­tive in der poli­ti­schen Mitte

Beim Wahl-Event im Anschluss an die Dele­gier­ten­ver­samm­lung emp­fahl EVP-Parteipräsidentin Mari­anne Streiff die EVP als glaub­wür­dige Alter­na­tive in der poli­ti­schen Mitte: «Glaub­wür­dig zu sein bedeu­tet eben auch, sich für Gerech­tig­keit ein­zu­set­zen, auch wenn das uns etwas kos­tet.» - sei es bei der Reform der Alters­vor­sorge, in der Ener­gie­wende, in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit oder bei der Hilfe für Flücht­linge in Not.  «Kli­ma­neu­tral. Gene­ra­tio­nen­ge­recht. Enkeltaug­lich.»

 

- Natio­nal­rä­tin Maja Ingold, Win­ter­thur, ZH, zeigte in ihrem Wahl-Votum auf, wie ernst es der EVP in Sachen öko­lo­gi­scher, wirt­schaft­li­cher und sozia­ler Nach­hal­tig­keit ist, so mit dem Nein zur 2. Gott­hardröhre, dem Enga­ge­ment für die Kon­zern­ver­ant­wor­tung mul­ti­na­tio­na­ler Unter­neh­men oder in der Reform der Alters­vor­sorge. «Es kann nicht sein, dass unsere Kin­der der­einst einen geplün­der­ten AHV-Fonds vor­fin­den.»

 

Die Aar­gauer Gross­rä­tin und Natio­nal­rats­kan­di­da­tin Lilian Stu­der, Wet­tin­gen, AG, nannte «Men­schen wür­di­gen» als einen zen­tra­len Grund und Leit­wert für das poli­ti­sche Enga­ge­ment der EVP. Er schlage sich in allen Poli­tik­be­rei­chen nie­der. «Wir wol­len ein Klima der Lebens­be­ja­hung, nicht der Ein­schüch­te­rung», for­derte Stu­der etwa in der Flücht­lings­the­ma­tik.  

 

Für Aus­künfte:

Par­tei­prä­si­den­tin und Natio­nal­rä­tin Mari­anne Streiff-Feller: 079 664 74 57, Marianne.Streiff(at)parl.ch

Natio­nal­rä­tin Maja Ingold: 079 339 23 22, Maja.Ingold(at)parl.ch

Joel Blunier, Gene­ral­se­kre­tär EVP Schweiz: 076 379 76 79, joel.blunier(at)evppev.ch

Dirk Mei­sel, Lei­ter Kom­mu­ni­ka­tion EVP Schweiz: 079 193 12 70, dirk.meisel(at)evppev.ch