Geschichte der EVP Kanton Bern

Die Vorgeschichte 1850 - 1918

1850 wurden im noch jungen Bundesstaat evangelische Bürger aktiv. Sie gehörten ausschliesslich den aristokratisch-konservativen Kreisen an. Nur Bürger in gehobener Stellung wurden politisch aktiv.


1875 wurde der Eidgenössische Verein gegründet. Dieser Verein konnte als erste protestantische Partei bezeichnet werden. Diese evangelischen Gruppen waren aber sehr konservativ und ein Verein von Herren ohne Volk. Es gab drei Gruppierungen: in Bern, Basel und Zürich.

1880 wurde der protestantisch-konservativen Partei im Kanton Bern ins Leben gerufen. Es war die einzige kantonale Partei zu dieser Zeit. Diese Volkspartei zerfiel aber um das Jahr 1910, das konservative Element wurde immer unzeitgemässer. Der grosse Vormarsch der Freisinnigen/Radikalen und der Sozialdemokraten hatte begonnen.

1898 entstand in der Stadt Bern, in Basel, Horgen, Zürich, Winterthur und Schaffhausen der Evangelisch-soziale Arbeiterverein. Nur der Basler Arbeiterverein überlebte das Jahr 1915.

 

 

Gründung und Aufbau 1918 - 1973

1918 entstand im Kanton Bern aus den "Überbleibseln" der protestantisch-konservativen Partei und dem eidgenössischen Verein die politische Vereinigung christlicher Bürger. Diese Gruppe ergriff vor den Nationalratswahlen von 1919 die Initiative zur Gründung der EVP Schweiz. Arnold Muggli war der Initiant für die Vertrauensmännerversammlung vom 8. März 1919 in Brugg. Hier wurde die Gründung der EVP beschlossen. Am 10. Mai 1919 wurde in Zürich die Evangelische Volkspartei der Schweiz gegründet. Erster Zentralsekretär wurde der Berner Arnold Muggli.

1919 wurden im Kanton Bern die Ortsparteien Bern, Thun, Biel, Steffisburg und Saanen gegründet. Aus dem Kanton Zürich wurde 1919 Dr. Hans Hoppeler in den Nationalrat gewählt; die Berner mit fünf Ortsparteien und rund 100 Mitgliedern gingen leer aus. Erst 1950 wurden die Regionalgruppen Emmental und Oberaargau gegründet. 1956 folgte Köniz und 1965 Bolligen.

1958 wurde mit Alfred Wachter der erste Berner Grossrat aus der EVP gewählt. Sein Nachfolger war 1960 der Schriftsteller Emil Ernst Ronner.

1967 wurde der Berner Paul Aebischer in den Nationalrat gewählt, nachdem die Berner EVP 1963 erstmals seit 1919 wieder an den Nationalratswahlen teilgenommen hatte. Die Kantonalpartei reorganisierte sich. Neben dem Kantonalvorstand arbeiteten nun vier Spezialkommissionen: Werbung, Information, Schulung und Finanzen.

Von 1968 bis 1973 wurden zwölf zusätzliche Ortsparteien gegründet und 600 Mitglieder geworben. Durch diesen in kurzer Zeit erarbeiteten Aufschwung hat sich die EVP in der Politlandschaft des Kantons Bern als älteste "Volkspartei" etabliert.

1970 gewann die EVP zwei weitere Sitze im Grossrat, die von Hanspeter Aebischer und Hans Aebi eingenommen wurden.

 

 

Weiterer Ausbau von 1974 bis heute

1974 ging ein zusätzlicher Sitz im Grossen Rat an Otto Zwygart junior. Neuen Schwung erfuhr die EVP in den 70er-Jahre durch die Einführung des Frauenstimmrechts, was 1982 seinen Höhepunkt mit sieben Grossratsmandaten erreichte.

1984 zog mit Maria Schär die erste EVP-Frau in den Grossrat ein. Bei den kantonalen Wahlen 1986 und 1990 mussten aber 1 bzw. 2 Sitzverluste hingenommen werden.

Kontinuierlich wurde die Partei auf lokaler Ebene ausgebaut. Von 1974 bis 1990 entstanden neun weitere Ortsparteien.

1992/1993 stellte die EVP Kanton Bern in ihrer 74-jährigen Geschichte erstmals ihre Referendumsfähigkeit unter Beweis. Sie sammelte die erforderliche Unterschriftenzahl gegen die Aufteilung der Wahlkreisverbände Oberland-West und Seeland, die vom Grossen Rat am 7. September 1992 beschlossen worden war. Dennoch stimmte das Volk in der Abstimmung vom 26. September 1993 der Gesetzesänderung knapp zu.

1993 lancierte die EVP erstmals eine Initiative. Das Begehren „für eine neue Präambel der Kantonsverfassung“ verlangte, dass die damals neue Berner Kantonsverfassung mit einer Formulierung, die Gott einschliesst, eingeleitet wird. Leider gelang es aber nicht, rechtzeitig die 15'000 erforderlichen Unterschriften zusammenzubringen. Bei Ablauf der Sammelfrist fehlten rund 400, so dass die Initiative nicht zustande kam.

1994 verzeichnete die EVP bei den Grossratswahlen drei Sitzgewinne. Erstmals gewann sie mit Heinz Dätwyler aus Lotzwil einen Sitz im Oberaargau. Die Partei verabschiedete sich von ihrem Fraktionspartner LdU und bildete eine eigenständige EVP-Fraktion.

Weiter vergrössert wurde die Fraktion 1998 (8 Mandate) und 2002 (11 Mandate)

Bis 2003 erhöhte sich die Anzahl der aktiven Ortsparteien auf 39.

2003 erhoffte sich die EVP bei den Nationalratswahlen einen zweiten Sitz im Kanton Bern, nachdem sie seit 1967 durchgehend mit einem Sitz auf Bundesebene vertreten gewesen war. Sie konnte ihren Wählendenanteil von 4 auf 5,2 Prozent steigern und verfehlte ihr Ziel nur knapp.

Adrian Lörtscher / Barbara Streit-Stettler