07.03.2011 | Der Bund - online 7.3.2011

Knapper Wahlausgang

Es war ein langer Ständerats-Wahlkampf, es war ein für bernische Verhältnisse intensiver Wahlkampf, und am Ende resultierte – bei einer hohen Wahlbeteiligung von 46,3 Prozent – ein knapper Sieg für Adrian Amstutz. Der 57-jährige Sigriswiler SVP-Nationalrat konnte sich im zweiten Wahlgang mit 50,6 Prozent der Stimmen gegen die Stadtberner SP-Nationalrätin Ursula Wyss durchsetzen. Die Berner SVP holte damit ihren traditionellen Ständeratssitz zurück, den sie 2008 verloren hatte, weil ihr damaliger Ständerat Werner Luginbühl bei der Parteispaltung zur BDP übergetreten war.

SVP sieht sich bestätigt

Gross war die Freude bei der SVP Kanton Bern: Mit «Herzliche Gratulation» überschrieb sie ihre Mitteilung zum Wahlerfolg von Adrian Amstutz und versah den Titel mit drei Ausrufezeichen. Dieses Ergebnis bestätige die Politik der SVP. Sie werde alles daran setzen, «damit die Wiederwahl am 23. Oktober gelingt». Ein «grosses Dankeschön» richtete die SVP nicht nur an die «unzähligen Helfer», sondern insbesondere auch an die Wirtschaftsverbände.

Er habe nicht mit dem Sieg gerechnet, sagte Adrian Amstutz im Rathaus zu den zahlreichen Journalisten. Wenn man berücksichtige, dass sowohl FDP wie auch BDP mit ihrer Stimmfreigabe eine linke Ständerätin in Kauf genommen hätten, so sei das Resultat als hervorragend zu bezeichnen. Der gestrige Wahlerfolg sei für ihn ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu den Gesamterneuerungswahlen im Herbst, sagte Amstutz. «Das wird kein Spaziergang.»

 

Enttäuschte Gesichter gab es bei der SP, die den Ständeratssitz von Simonetta Sommaruga nicht verteidigen konnte. Sie sei «sehr enttäuscht – logisch», sagte Ursula Wyss. «Wir wollten diesen Sitz holen – und wir haben ihn nicht geholt.» SP-Präsident Roland Näf dagegen sprach – trotz knapper Niederlage – von einem «sehr guten Ergebnis». Wyss habe mobilisieren können, fast 160 000 Stimmen geholt – und sie sei weit über die rot-grüne Stammwählerschaft hinaus gewählt worden.

 

Der Kanton Bern, so beklagten gestern SP-Präsident Näf wie auch der Präsident der Berner Grünen, Blaise Kropf, werde nun von zwei rechten Oberländern im Ständerat vertreten; regional wie politisch sei dies eine sehr einseitige Vertretung. Bei den nationalen Wahlen im Herbst wollen SP und Grüne das Berner SVP/BDP-Duo im Stöckli angreifen. Ob sie dabei erneut ins Rennen steigt, liess Ursula Wyss gestern offen.

 

Stadt Bern überdeutlich für Wyss

Eine erste Analyse des Wahlausgangs zeigt klar, dass Adrian Amstutz auf dem Land gepunktet hat und Ursula Wyss in den Städten. Der SVP-Kandidat hat insbesondere im Oberland wie auch im Emmental teils massive Mehrheiten gefunden. Ursula Wyss lag in allen Städten vorn und erzielte ihr persönliches Spitzenresultat in der Stadt Bern, wo sie 74 Prozent der Stimmen holte. Als einzige ländliche Region stimmte der Berner Jura für die Sozialdemokratin.

 

Der Bund - online, 7.3.2011