12.06.2008 | Espace.ch

Good News für Familien

Eltern erhalten im Kanton Bern künftig höhere Familienzulagen. Der Satz liegt bei 115 Prozent des vom Bund vorgesehenen Minimums. Der bernische Grosse Rat hat am Mittwoch in zweiter Lesung das neue Familienzulagengesetz verabschiedet.

Zu reden gab erwartungsgemäss erneut der Beitragssatz. In der  ersten Lesung hatte sich das Parlament zu einem Kompromiss von 115  Prozent des vom Bund vorgeschlagenen Minimums von 200 Franken  durchgerungen.  Der Kompromissvorschlag war von der EVP, den Grünen und der EDU  unterbreitet worden. Die SP hätte 125 Prozent gewollt, die FDP nur  das Bundesminimum.

 

Gleiche Anträge nochmals 

Die unterlegenen Fraktionen brachten am Mittwoch in der zweiten  Lesung ihre genau gleichen Anträge wieder aufs Tapet. Regierung und  Kommission unterstützten den Kompromiss von 115 Prozent. Die Bürgerlichen befürchteten eine Schwächung der Wirtschaft  durch höhere Familienzulagen. Einmal mehr würden die Arbeitgeber  stark belastet. Dabei werde sich der Wirtschaftsmotor in den  kommenden Jahren abkühlen. «Was ein Familienvater gerade bei sich verschlechternder  Wirtschaftslage wirklich braucht, ist ein Job», sagte Adrian  Kneubühler (FDP/Nidau). Jobs würden aber nur geschaffen oder  erhalten, wenn Arbeitgeber dazu auch die nötigen Mittel zur  Verfügung hätten. Familienzulagen seien eben ein populäres Anliegen und da wolle  man nur zu gerne etwas mehr Geld ausgeben, kritisierte auch Peter  Brand (SVP/Münchenbuchesee) die über das Bundesminimum  hinausgehenden Anträge.

 

Familienfreundlichkeit als Standortfaktor 

Es sei an der Zeit, endlich etwas für die Familien zu tun,  forderten diverse Sprecher aus dem links-grünen Lager. Höhere  Familienzulagen und Familienfreundlichkeit seien durchaus ein  Standortfaktor für den Kanton Bern.  «Wenn wir den Kanton längerfristig stärken wollen, dann müssen  wir hier etwas für die Familien tun», sagte auch Ruedi Löffel  namens der EVP.

 

 

Klares Ja zum Kompromiss 

Der Grosse Rat sprach sich schliesslich erneut für den  Kompromissantrag von 115 Prozent aus. Demnach erhalten Familien für  Kinder bis 16 Jahre neu 230 Franken und für Jugendliche in  Ausbildung 287 Franken. In der Schlussabstimmung passierte das neue  Familienzulagengesetz mit 115 gegen 15 Stimmen bei 9 Enthaltungen. Auslöser der Gesetzesänderung war das Bundesgesetz über die  Familienzulagen, das die Stimmberechtigten 2006 angenommen hatten.  Es schafft einen Mindeststandard, der in allen Kantonen gültig ist.  Aufgrund des neuen Bundesgesetzes musste der Kanton Bern sein  kantonales Gesetz aus dem Jahr 1961 revidieren. Es tritt zusammen  mit dem neuen Bundesgesetz Anfang 2009 in Kraft.