10.03.2007 | Medienmitteilung

Parteipräsidium bleibt vorübergehend vakant

Trotz intensiver Suche konnte an der gestrigen ordentlichen Delegiertenversammlung in Lyss noch keine Nachfolge für den zurückgetretenen EVP-Kantonalpräsidenten Heinz Dätwyler präsentiert werden. Vizepräsidentin Monika Wandel orientierte darüber, dass die bereits seit Dezember bestehende Interimslösung vorläufig weitergeführt werde. Mit Impulsreferaten und einer Podiumsdiskussion setzte die EVP zudem einen neuen Akzent in der Wirtschaftspolitik.

Die EVP Kanton Bern wird voraussichtlich bis nach den Nationalratswahlen von Monika Wandel aus Wabern und Adrian Junker aus Uttigen geführt, die sich das Vizepräsidium teilen. Nach aussen vertritt die Partei EVP-Fraktionspräsidentin im Grossen Rat, Marianne Streiff aus Oberwangen. „Die Partei funktioniert gut“, unterstrich Versammlungsleiterin Monika Wandel gegenüber den rund 80 Delegierten, die am Freitagabend zur Delegiertenversammlung nach Lyss gekommen waren. Gleichzeitig gab sie bekannt, dass für das Präsidium nur jemand aus der Grossratsfraktion in Frage komme und man die Suche weiterführen werde. Im Rahmenprogramm wagte sich die EVP auf ein vornehmlich von andern Parteien belegtes Terrain:

 

Die EVP will in Wirtschaftsfragen mitreden

 

Je ein Kurzreferat aus akademischer und praktischer Sicht vermittelten Anstösse zum Thema "Impulse für eine christlich-ethisch orientierte EVP-Wirtschaftspolitik"; in einer nachfolgenden Podiumsdiskussion wurde nach konkreten Ansätzen zum politischen Handeln gesucht.

 

"Die EVP ist in der Wirtschaftspolitik ein schwacher Akteur", gab Dr. Reto Steiner, Managementdozent an der Universität Bern und Langenthaler Stadtrat, zu bedenken. Er regte an, worauf sich die EVP auf Basis ihrer aktuellen Wertekampagne auf www.lebenswerte.ch in Wirtschaftsthemen fokussieren soll: ein starkes Bildungssystem, ein gesunder Mittelstand, eine leistungsstarke und verantwortungsvolle Wirtschaft sowie ein Ja zu Innovationen. Der Unternehmer Jürg Opprecht zeigte am Beispiel seines 5-Sterne-Hotels Lenkerhof, dass die christliche Werthaltung eines Unternehmers nicht als solche deklariert, aber praktisch gelebt werden muss und dass aus der Begeisterung und der Hingabe für andere auch unternehmerischer Erfolg resultiert.

 

Die von Reto Steiner geleitete Podiumsdiskussion mit vier Vertretern aus Wirtschaft und Politik ortete konkreten Handlungsbedarf beim einseitig preisorientierten Submissionsverfahren sowie bei der Senkung der Lohnnebenkosten durch eine vermehrte Besteuerung von Energie statt Arbeit. Jürg Opprecht betonte, dass vor allem börsenkotierte Unternehmen wegen der Habsucht der Aktionäre unverantwortlich handeln, und ermutigte die EVP zu einer innovativen und eigenständigen Sachpolitik. Tom Gerber, Vizegemeindepräsident im vom Swissmetall-Konflikt betroffenen Reconvilier, sieht den Grund für respektlos auftretende und verlogene Unternehmer primär in der extremen Liberalisierung und regte an, dass die Pensionskassen als wichtige Aktionäre ihre Einflussmöglichkeiten mehr wahrnehmen. Fensterfabrikant Markus Wenger verwies demgegenüber auf die ehrliche und engagierte Handlungsweise der meisten KMU, setzte sich aber für ein Submissionsverfahren ein, in dem nicht nur der Preis zählt, sondern auch vermehrt andere Kritierien wie die Anzahl der Nischenarbeitsplätze oder die ökologischen Innovationen eines Unternehmens zum Tragen kommen. Nationalrat Walter Donzé, der sich während dreier Jahre in der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben engagierte, plädierte für ein Ethikzertifikat für Unternehmen. Er betonte, dass die Regulierungsdichte leider um so höher werden müsse, je weniger nicht festgeschriebene Werte wie Treu und Glauben in der Wirtschaft hochgehalten würden.